Steffen Siegel  
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Wintersemester 2008/2009

 

»Wie schreibt man Photographie-Geschichte?«

Seminar (für Master sowie Magister artium) am
Hermann von Helmholtz-Zentrum für Kulturtechnik
Humboldt-Universität zu Berlin

»Erst wurde die Photographie erfunden, dann wurde sie entdeckt.« Diese Bemerkung Douglas Crimps ist, mit Blick auf die Forschung zur Photographie, alles andere als beiläufig: Denn von einigen - jedoch bedeutungsvollen - Ausnahmen abgesehen, hat es nahezu 150 Jahre gedauert, bis die Photographie nach ihrer Erfindung in den 1830er Jahren von den Kunst- und Kulturwissenschaften als Gegenstand ihres Interesses ›entdeckt‹ und ernst genommen worden ist. Und nicht ohne Bedeutung ist es, dass sich diese ›Entdeckung‹ nicht allein Wissenschaftler/innen und Kunstkritiker/innen wie Susan Sontag, Wolfgang Kemp, Roland Barthes oder Rosalind Krauss verdankt, sondern auch prominenten Künstler/innen wie Cindy Sherman, Jeff Wall und Gerhard Richter. Im doppelten Sinn des Wortes haben gerade diese es verstanden, Photographie-Geschichte zu schreiben.


Standen im Mittelpunkt des Seminars »Bildmedientheorie der Gegenwart« (im Sommersemester 2008) jüngste theoretische Positionen zur Vielfalt der Bildmedien, so soll dieses Seminar im Wintersemester exemplarisch anhand der Geschichte der Photographie nach den Bedingungen und Möglichkeiten einer Bildmedien-Geschichtsschreibung fragen: Wie lässt sich die Geschichte eines Bildmediums überhaupt erzählen? Welche Darstellungsweisen halten einer kritischen wissenschaftlichen Auseinandersetzung stand? Welche Kategorien, Kriterien und Argumente wurden und werden für mediengeschichtliche Narrative gefunden?


An diese Fragen anschließend, sollen im Seminar ältere wie jüngere Positionen der Photographie-Geschichtsschreibung analysiert und diskutiert werden, aber insbesondere auch spezifisch künstlerische Auseinandersetzungen mit der Geschichte der Photographie. Ziel ist die gemeinsame Erarbeitung eines problemorientierten Ansatzes zur Bildmediengeschichte, der am hierfür gewählten Beispiel der Photographie fortlaufend überprüft werden soll.

Einführende Literatur: Michel Frizot (Hg.): Neue Geschichte der Fotografie, Köln 1998. - Bernd Stiegler: Theoriegeschichte der Photographie, München 2006. - Bernd Stiegler: Bilder der Photographie. Ein Album photographischer Metaphern, Frankfurt am Main 2006.

 
 

Sommersemester 2008

 

»Bildmedientheorie der Gegenwart«

Seminar am Hermann von Helmholtz-Zentrum für Kulturtechnik der Humboldt-Universität zu Berlin


»Was ist ein Bild?« fragte Gottfried Boehm 1994 im Titel eines von ihm herausgegebenen und viel beachteten Sammelbandes. So grundsätzlich sich diese Frage für die an Bildern interessierten Kunst-, Kultur- und Medienwissenschaften ausnimmt, die Vielfalt der hierauf gegebenen Antworten ist überwältigend und gewiss auch irritierend. Sollte das von Boehm in diesem Zusammenhang geprägte Stichwort des iconic turn eine tief greifende und methodologisch fundierte Hinwendung zum Bild im Allgemeinen zum Ausdruck bringen, so gilt dies in besonderer Weise auch für die seither intensiv diskutierten Fragen nach der spezifischen Medialität von Bildern. Probleme der Produktion, der Wahrnehmung, der Rezeption sowie der Imagination von künstlerischen wie nicht-künstlerischen Bildern werden hierbei akut. Anhand dieses Seminars soll versucht werden, einen ersten Überblick über wesentliche Interessen, Fragen und Probleme der jüngeren Bildmedientheorie, die für die kunst- und kulturwissenschaftliche Forschung relevant geworden sind, zu gewinnen. Im Mittelpunkt jeder Sitzung wird dabei ein Schlüsseltext dieser Debatten stehen, dessen Argumente in gemeinsamer Diskussion nachvollzogen und anhand ausgewählter Bildbeispiele überprüft werden sollen. Zum Seminar wird ein Reader vorgelegt.

Einführende Literatur zum Überblick: Gernot Böhme: Theorie des Bildes, München, 2., veränd. Aufl. 2004. - Lambert Wiesing: Artifizielle Präsenz. Studien zur Philosophie des Bildes, Frankfurt am Main 2005. - Gottfried Boehm (Hg.): Was ist ein Bild?, München, 4. Aufl. 2006. - Ingeborg Reichle, Steffen Siegel, Achim Spelten (Hg.): Verwandte Bilder. Die Fragen der Bildwissenschaft, Berlin, 2. Aufl. 2008.

 
 

Wintersemester 2007/2008

 

»Bildwelten der Weltbilder«

Gemeinsam mit Prof. Dr. Christoph Markschies
Seminar an der Theologischen Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin

Martin Heideggers Frage: "Was ist das - ein Weltbild? Offenbar ein Bild von der Welt. Aber was heißt hier Welt? Was meint da Bild?" ist aktueller denn je. Weltbilder sind ein Versprechen auf Orientierung in einer immer unübersichtlichern Welt. Sie geben konkrete Antworten auf Fragen nach abstrakten Strukturen und sind Ordnungsschemata unseres Wissens und Leitbild unseres Handelns. Die hierbei gestellten Fragen betreffen den Kern unserer Vorstellungen von der Welt: Welche Gestalt hat die Welt? Welche Kräfte und Ideen wirken in ihr? Woraus besteht sie? Wie ist sie entstanden? Wie sieht ihre Zukunft aus? Es sind Fragen nach einer umfassenden Ordnung, die den Menschen umgibt, und der Stellung, die der Mensch in dieser Ordnung einnimmt. Doch diese Welt wird nicht nur sprachlich erschlossen, sondern auch visuell. Im Weltbild steht der begrifflichen Ordnung eine modellhaft anschauliche Ordnung gegenüber. Im Seminar sollen gemeinsam die ideengeschichtlichen und medientheoretischen Voraussetzungen erarbeitet werden und anhand einer Auswahl konkreter Weltbilder überprüft werden.


 
Sommersemester 2007  

»Logik der Geste. Hand-Zeichen in Bild und Text«

Gemeinsam mit Prof. Dr. Horst Wenzel
Seminar am Hermann von Helmholtz-Zentrum für Kulturtechnik der Humboldt-Universität zu Berlin

Es ist eine Zielsetzung der Forschergruppe "Bild-Schrift-Zahl" am Hermann von Helmholtz-Zentrum für Kulturtechnik, die Einheit der Geste, des Wortes, des Körpers und der menschlichen Rede, des Werkzeugs und des Denkens wieder in den Blick zu nehmen, die durch die wechselseitige Ausdifferenzierung der verschiedenen Wissenschaften verblasst ist. Im Fokus des Seminars sollen daher die durch die Hand ausgeführten Gesten und Gebärden stehen und damit der Zusammenhang von Sehen und Hören, von Sagen und Zeigen, von Greifen und Begreifen. Die vielfältigen Verbindungen von Gebärdensprache und Vokalsprache sollen gemeinsam untersucht werden am Beispiel der Hand als Werkzeughand, Memorialhand, Schreibhand, Rechenhand, Zählhand, Notenhand etc. Im Mittelpunkt stehen hierbei die medialen Verschiebungen der ‚Handgebärde' zwischen Text und Bild.


 
Wintersemester 2004/2005  

»Kunstgeschichte der Linie«

Proseminar am Kunsthistorischen Institut der Humboldt-Universität zu Berlin

Unter Abwandlung eines vielfach bemühten Plinius-Zitates lässt sich mit einigem Recht sagen: Nulla ars sine linea. Diese Behauptung verliert an Banalität, wenn man die vielfältigen und überraschend unterschiedlichen Erwartungen betrachtet, welche Künstler, Kunsttheoretiker und schließlich Kunsthistoriker an eines der elementaren künstlerischen Ausdrucksmittel, die Linie also, richteten. Mit einem deutlichen Akzent auf der Entwicklung neuzeitlicher Kunst sowie Kunsttheorie sollen gemeinsam zentrale Aspekte einer Kunstgeschichte der Linie rekonstruiert und auf ihre impliziten Probleme hin befragt werden. Hierher gehören mythologische Ursprungserzählungen von Begriffen wie Idealität, Individualität (Signatur) und nicht zuletzt der Begriff der Kunst selbst. Betrachtet werden sollen die konstruktive Funktion der Linie bei der Entwicklung neuzeitlicher Perspektiv- und Sehtheorie, ihre normierende Funktion im Kontext frühneuzeitlicher Kartographie, ihr Rolle im Spannungsfeld des Begriffspaares konkret-abstrakt (Proportionszeichnung; diagrammatische Konstruktionen), und schließlich muss die Frage nach ihrem ästhetischen Rang (disegno/colore-Disput; line of beauty and grace) gestellt sowie ihre früh debattierte Eignung als ein kunsthistorischer Leitbegriff thematisiert werden.