Steffen Siegel  
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Soeben erschienen:

Steffen Siegel: Tabula. Figuren der Ordnung um 1600, Berlin 2009.

Wissen, so lautet die unausgesprochene Maxime der Humanisten und Polyhistoren der Frühen Neuzeit, kann man nie genug erwerben. Riesige Bibliotheken und Kunstkammern sowie voluminöse Abhandlungen, Geschichtswerke und Enzyklopädien geben noch heute eindrucksvoll Rechenschaft von dieser Leidenschaft. Doch wächst mit der Größe jeder Sammlung auch die Notwendigkeit ihrer Ordnung. Es ist daher kein Zufall, dass ›Ordnung‹ zum Schlüsselbegriff des humanistischen Enzyklopädismus aufgestiegen und zum Gegenstand hartnäckiger Auseinandersetzungen unter den Gelehrten geworden ist.

In Steffen Siegels Untersuchung werden die vielfältigen philosophischen Versuche, die Fülle des Wissens systematisch zu ordnen, nicht allein anhand der Überlieferung von Texten rekonstruiert. Im Zentrum dieser reich illustrierten Studie, die bei mittelalterlichen Wissenspraktiken ihren Ausgang nimmt, sich insbesondere den vielschichtigen Bildkulturen des 16. und 17. Jahrhunderts widmet und einen Ausblick auf moderne Visualisierungstechniken bietet, steht die faszinierende Vielfalt jener Bilder, die Ordnungen des Wissens als sichtbare Figuren vor Augen rückten. Die Bedeutung von Schautafeln und Bildallegorien, von wissenschaftlichen Illustrationen und Karten wird, mit Blick auf die Frage nach möglichen Ordnungen des Wissens, in diesem Buch zum ersten Mal übergreifend analysiert.

Ein Akzent der Untersuchungen liegt auf der bislang nur wenig erforschten Geschichte des Diagramms in der Frühen Neuzeit. In der Mitte zwischen den Darstellungsmöglichkeiten von Bildern und Texten, standen insbesondere diagrammatische Schemata im Dienst der Konstruktion und der Beglaubigung von Ordnungen des Wissens. Anhand der reichen Tradition frühneuzeitlicher Diagramme lassen sich in hervorragender Weise die Potentiale, aber auch die Probleme eines Zusammenspiels von Wissens-, Ideen- und Mediengeschichte in der Zeit um 1600 ablesen und profilieren.

Mit den im Jahr 1587 in Paris publizierten Tableaux legte Montaignes Zeitgenosse Christophe de Savigny eines der erstaunlichsten und reichsten Zeugnisse frühneuzeitlicher Kunst im Dienst einer solchen Wissensgeschichte vor. Das Tafelwerk steht daher im Mittelpunkt der Untersuchungen zu den Figuren enzyklopädischer Wissensordnungen. Erstmals seit seiner Publikation vor über fünfhundert Jahren wird dieses sehr selten gewordene, für die Gelehrtenkultur des 16. Jahrhunderts äußerst repräsentative Werk hier vollständig und in einer farbigen Reproduktion wieder zum Druck gebracht.

Die komplexen Strategien, mit Hilfe von Bildern, Diagrammen und Texten für eine bestimmte Wissensordnung zu argumentieren, lassen sich auf diese Weise an einer bedeutenden Quelle der vormodernen Gelehrtengeschichte minutiös nachvollziehen. Die Fülle des Wissens und die Möglichkeiten seiner Ordnung werden dabei als Herausforderungen sichtbar, die in gleicher Weise das Interesse der Kunstgeschichte und der Kulturwissenschaft, der Wissenschafts- und Pädagogikgeschichte und der Philosophie berühren.

ISBN: 978-3-05-004563-4
213 Seiten
39 Farbtafeln
62 s/w-Abbildungen
Format 22 x 27 cm
39,80 Euro

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Gesamtgestaltung und Satz des Buches:
Petra Florath (Berlin) LINK

 

 

Erscheint im Mai 2009:

Ingeborg Reichle, Steffen Siegel (Hg.): Maßlose Bilder. Visuelle Ästhetik der Transgression, München 2009.

Bildern wird überraschend viel zugetraut. Bereits frühe Zivilisationen schrieben ihnen magische Kräfte zu. Stets war es eine ihrer wesentlichen Aufgaben, unsere Gefühle zu berühren. Und seit langem stehen sie im Dienst der Suche und des Beweises wissenschaftlicher Erkenntnisse. Selbst die Frage, ob Bilder töten können, wird inzwischen intensiv debattiert. Hinter der vielfach erhobenen Rede von der Macht der Bilder steht eine noch wenig erforschte Faszination für die Kraft von Bildmedien, die sich kaum in den engen Grenzen eines Bilderrahmens, einer Kinoleinwand oder eines Bildschirms bändigen lässt. Die Beiträge dieses Bandes, die von der Kunstgeschichte bis zur Kulturwissenschaft, von der Astrophysik bis zur Philosophie und Medienwissenschaft reichen, erörtern die vielfältigen Phänomene einer Transgression solcher Rahmungen. Das gemeinsame Interesse richtet sich hierbei auf Formen der Überschreitung des Visuellen und deren ästhetische, epistemologische, soziale und medientheoretische Funktionen; kurz: auf maßlose Bilder.

Mit Beiträgen von Mirjam Brusius, Daniel Bürkner, Philipp Ekardt, James Elkins, Marcel Finke, Michael Fürst, Boris Goesl, Rainer Gruber, Mark Halawa, Ulrike Hanstein, Sybille Krämer, Karin Leonhard, Jasmin Mersmann, W.J.T. Mitchell, Markus Rautzenberg, Ingeborg Reichle, Arno Schubbach, Steffen Siegel, Nicole Stöcklmayr, Silke Walther und Matthias Weiß.

ISBN: 978-3-7705-4801-9
380 Seiten
ca. 100 s/w-Abbildungen
16 Farbtafeln
Format 15,5 x 23,3 cm
29,80 Euro

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